
Neuilly-sur-Seine 1930
- San Diego/Kalifornien 2002
Die 1930 in Neuilly-sur-Seine geborene Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle, wächst in New York auf. Die Künstlerin heiratet bereits mit achtzehn Jahren den amerikanischen Schriftsteller Harry Matthews. Nach ihrer Scheidung lebt sie ab 1960 mit dem Bildhauer Jean Tinguely zusammen und wird durch ihn Mitglied der Pariser Künstlergruppe "Nouveaux Réalistes". In den Gruppenausstellungen präsentiert Niki erstmals ihre Schießbilder: Auf eine mit Spachtelmasse pastos strukturierte Leinwand schießt Niki de Saint Phalle mit einem Gewehr Farbkugeln, die beim Aufprall zerplatzen und das Relief damit kolorieren. Der aggressive Akt des Schießens dient der Künstlerin zur Aufarbeitung ihrer problematischen Vaterbeziehung. Durch ihre Nanas, die ab 1964 entstehen, wird Niki de Saint Phalle berühmt. Die drallen, bunten Frauengestalten, die zunächst aus Wolle, Garn, Pappmaché und Drahtgerüsten entstehen, später aus Polyester sind, möchte die Künstlerin als fröhliche, befreite Frauen und Vorbotinnen eines neuen matriarchalischen Zeitalters verstanden wissen. Nanas stehen stehen z. B. am Leineufer in Hannover, wo sie 1969 eine ihrer ersten spektakulären Einzelausstellungen hat. Der 1979 begonnene Tarot-Garten in der Toskana ist Nikis de Saint Phalles größtes Projekt. Er besiedelt eine ganze Landschaft mit begehbaren Nanas. 1988 entwirft Niki de Saint Phalle zusammen mit Tinguely den weltberühmten "Strawinskybrunnen", der am Centre Georges Pompidou aufgestellt wird. Seit den 1950er Jahren ist Niki de Saint Phalle auf zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten und gilt als die Künstlerin, die das weibliche Lebensprinzip als bestimmendes Thema in die Kunstgeschichte einführt. Auf ärztlichen Rat zieht sich Niki de Saint Phalle 1994 in das milde Klima Kaliforniens zurück. Dort arbeitet die Künstlerin an ihrer letzten großen Werkserie und spielerischen Hommage an Tinguelys bewegliche Skulpturen, den "Explodierenden Bildern". Niki de Saint Phalle stirbt am 22. Mai 2002 an einem Lungenemphysem infolge der langjährigen künstlerischen Arbeit unter den gefährlichen Polyesterdämpfen. Auch posthum kann die Künstlerin noch Erfolge feiern, so die Eröffnung der 2003 von ihren Mitarbeitern vollendete Umgestaltung der barocken Grotte in den Herrenhäuser Gärten Hannovers in ein bunt glitzerndes Kunstwerk aus Glasmosaiken, Steinen und Figuren.